Fleisch und Wurst von Fuchses Bauernhof

Meine Reise ans Meer...

26. April: Man braucht zum Träumen Mut

Ob und wann meine Reise endlich losgeht werde ich wohl erst in dem Moment wissen, wenn alles gepackt ist und ich startklar in der Einfahrt stehe. Vielleicht noch nicht mal dann,... vielleicht erst wenn ich soweit weg bin, dass ich nicht ohne weiteres wieder umdrehen kann.

Im Moment ist alles noch so ungewiss, der Schwung wurde doch etwas ausgebremst. Gerade trete ich nochmal in die Pedale, damit es, wenn auch etwas später, dann trotzdem noch losgehen kann. Zumindest mal die ersten 100-200 km, schauen wie die Stimmung auf der Straße ist. Es soll ja auch Spaß machen.


19. Mai: Es geht los. (Eintrag von zu Hause/ Susanne:)

 

   

Bis Hirschfeld wird Anne-Marie noch von unserer Nichte und mir begleitet.

 

Unterwegs legen wir noch eine Pause ein.

 

 

Und dann geht Anne-Marie tapfer alleine (oder auch nicht so allein) weiter.

 

 

 3. Juni: Angekommen in Aachen

 

Frühstück beim Keltenwall diesseits der Mosel

 

 Von Hirschfeld ging es weiter Richtung Hochscheid, wo wir die Hunsrückhöhenstraße überquerten und uns dann an den Abstieg zur Mosel machten. Kurz gab es eine kleine Aufregung als morgens Pino nicht mehr vor dem Zelt wartete. Samt Strick und Bäumchen war sie verschwunden - aber von Paula und mir schnell wiedergefunden. In Veldenz wechselten wir dann die Moselseite und folgten ab Lieser zunächst dem (stark frequentierten) Maare-Mosel-Radweg bevor wir auf den Lieserpfad wechselten.

 

 

Hier stießen wir bei Platten direkt auf die erste Hürde: Eine lange Metallbrücke die selbst auch noch eine Steigung aufwies. Natürlich auch zu schmal für die Satteltaschen, aber die waren schnell abgenommen. Ich wollte gerade bequem mein Frühstück rausholen um Pino Zeit zu geben die Situation zu bewerten. Da hörte ich hinter mir ein Krachen und Pino stand unter der Brücke... Ich führte sie auf der anderen Seite wieder hoch - allerdings war die ganze Sache steiler als sie auf dem Foto aussieht... Und nachdem ich die Satteltaschen auch noch um die nächsten Windungen des Steigs getragen hatte, standen wir leider vor einer ähnlichen Brücke... Mit zwei Füßen stand Pino immerhin schon auf der Brücke, als uns ein netter, ortskundiger Wanderer auf die Umgehung über eine Kiesgrube aufmerksam machte. Dort war ein wunderschöner renaturierter von der Natur zurückeroberter Bereich - schöner als vieles was ich auf der Wanderung bisher gesehen hatte. Und er gehörte an diesem Morgen allein uns.

 

Wittlich

An diesem Tag noch erreichten wir Wittlich. Ich ärgerte mich ein wenig, dass Wanderer auf jeden Berg hoch und runter geschickt werden, während Radfahrer ebenerdig in die Stadt reinrollen. Aber immerhin erlaubte uns dies einen schönen Blick auf die Stadt.

Wittlich selbst ließ sich wunderbar durchwandern. Man folgte dem Lieserpfad und wurde kaum von der Stadt "belästigt", sondern ging die ganze Zeit auf kleinen, grünen Pfaden mitten hindurch.

Für diese Nacht war Regen angesagt... und dunkle Wolken trieben über den Himmel. Ich hoffte ein wenig, dass mir jemand einen Unterschlupf anbot - aber fragen wollte ich nicht. Selber schuld also. Allerdings fand ich versteckt unter Büschen einen geschützen Standort und es wurde auch lang nicht so schlimm wie erwartet.

 

Zelt mit Regencape   Ausblick aus dem Zelt

 

 

 

 

Schutzhütte am Burgberg

Am nächsten Morgen nieselte es tapfer weiter... also ging ich unermütlich bis zur nächsten Schutzhütte auf dem Burgberg. Diese nahm ich erstmal in Beschlag und trocknete meine Sachen. Über den Tag verteilt regnete es immer wieder und so blieb ich tatsächlich erstmal hier.

 

 

 

Lieserquerung an der Karl-Kaufmann-Brücke

Am nächsten Morgen kam die erste Lieserüberquerung. Die Brücke war für Esel unzumutbar - dafür gab es aber eine tolle Furt. Für Pino also kein Problem - Paula wäre aber das Wasser bis über den Rücken gegangen, dazu noch die Strömung, so dass ich sie ersteinmal ans andere Ufer brachte.

Dann war es zunächst auch erstmal rum mit dem Lieserpfad zu unwegsam war der Weg geworden. Als Pino an einer Stelle den Halt verlor und abrutschte war uns die Lust am Steig endgültig vergangen und wir wechselten erneut auf den Maare-Mosel-Radweg.

 

 Dies zahlte sich aber direkt aus.

Zu Gast im Lenzenhaus

 

 Erstens weil wir nun viel schneller und ebener vorwärtskamen. Zweitens weil wir am Nachmittag eine Frittenbude fanden. Und drittens weil uns nette Leute (auch selbst mit Esel) zu sich einluden. Das tat richtig gut!

Am nächsten Morgen ging es zum Holzmaar bei Gillenfeld. Ein kleines, feines Maar, dass uns schon bei der letzten Tour in der Eifel von allen Maaren am besten gefallen hatte.

 

Das Holzmaar   Pino am Holzmaar

 

 

 

 

 

 

Tunnel Schlitzohr

Wir folgten dem Mosel-Maare-Radweg weiter Richtung Daun und kamen an den 600m langen ehemaligen Eisenbahntunnel. Darauf hatte ich mich schon gefreut und extra Beleuchtung für Pino mitgebracht. Hier fahren heutzutage natürlich keine Züge mehr und auch keine Autos, sondern nur (Draht-)Esel. Tolle Erfahrung. Pino ging Problemlos mit und ich hatte sogar noch Zeit für ein Fotoshooting. 

 

 

Pause in der Heide beim Döhmberg

Jetzt ging es zur Abwechslung auf die Eifelhöhe in eine schöne Heidelandschaft. Bevor wir wieder in die Talengen von Michelbach und Ahr abtauchten. Wir hatten die Grenze zu NRW erreicht - ein tolles Gefühl!

 

 

Pause für Alle!

 

RurtalsperreAls Nächstes durchstreiften wir den Nationalpark Eifel. Ich hatte das Gefühl er will erst noch ein richtiger Urwald werden... noch wirkte er auf mich recht unimposant. Als Ziel des Tages wartete die Rurtalsperre auf uns. Ein anscheinend sehr beliebtes Ausflugsziel. Wir fanden sehr wenig Ruhe und Erholung - aber für ein schnelles Bad reichte es dann doch.

 

Pino am EiswagenIn Kornelmünster gönnte ich mir ein Eis. Und Pino war natürlich wieder DIE Attraktion. Natürlich mit Mundschutz und viel Abstand... aber einem Esel können die Leute selbst in Zeiten von Corona nicht widerstehen :-).

 

Esel und DrahteselHier mal ein klassisches Bild . Pino trottet mir hinterher und die Welt wundert sich wo der bepackte Esel herkommt und vor allem hinwill. "Gehört der Esel zu Ihnen?" fragten die Radfahrer die von hinten kamen. "Achtung da kommt noch ein Esel", warnte ich die Radfahrer von vorne, die Pino dann meist erst hinter der nächsten Biegung sahen.

 

Westwall im Aachener WaldUnd dann hatten wir es auch fast geschafft. Wir hatten das Aachener Vorland erreicht. Immer mehr Autos trugen AC auf dem Nummernschild. Wir folgten noch einmal dem Eifelsteig, der hier gleichauf mit dem Fernweg E8 ging. Und waren endlich im Aachener Wald und stolperten über Relikte des Westwalls.  

 

 

Die Esel von 4LindenUnd dann Hurra! waren wir endlich bei Gina und Esel Timor auf dem Hof 4Linden angekommen. Ab hier geht es nun in 10 Tagen weiter, aber nicht mehr allein!

 

 14. bis 30. Juni: Wanderung von Aachen nach Coesfeld

 

Der Aufbruch

Am 14. Juni ging es dann wieder los.

Unsere Unruhe und Aufbruchsstimmung der letzten Tage war wohl auch Pino nicht verborgen geblieben - sie hatte am Morgen erstmal eine leichte Kolik... Apathie und Fressunlust nach einer durchwachten Nacht. Dabei wäre ich doch nie ohne sie losgegangen! Zum Glück renkte sich alles nach einem kleinen verdauungsanregenden Spaziergang wieder ein und so konnten wir dann, zwar mit ein paar Stunden Verspätung, gutgelaunt und von netten Menschen verabschiedet aufbrechen.

Wir waren wieder unterwegs! Ein tolles Gefühl.

 

 

Erste Pause

Pino, Paula und ich fanden recht schnell wieder in unseren Trott. Gina hatte da mit Esel Timor mehr Arbeit. Eigentlich ein flotteres Tempo gewöhnt lief er freudig hinterher - zum Überholen fehlte aber am Anfang der Mut. Lieber dann doch schnell noch hier und da in die Büsche nach Leckereien suchen und dann schnell wieder Pino hinterher die schon fast um die nächste Ecke verschwunden war... Trotzdem - die Satteltaschenkonstruktion hielt, Timor war mit Begeisterung dabei, das Wetter war gut und jede gemeisterte Herausforderung stärkte den Zusammenhalt und das Selbstbewusstsein.

 

 

Abbraumberg hinter Aachen

Die Landschaft hinter Aachen hatte sich gewaltig verändert. Wir hatten das Mittelgebirge entgültig hinter uns gelassen. Es war erschreckend flach... Nur hier und da schauten ein paar bewaldete Hügel aus dem wie mit dem Lineal gezogenen Horizont: Abbraumberge vom Braunkohleabbau. Unglaublich, dass das nun die letzten Bastionen "unberührter" Natur waren! 

Obwohl nicht ganz! Es gab auch wunderschöne Bachauen: das Wurmtal, das Broichbachtal, Tüschenbroich (mit Wasserschloss!), das Schwalmtal, das Tal und die Stauseen von der Nette... Wie Oasen wirkten sie in der endlosen Agrarlandschaft.

 

 

 

Paula macht Pause

Für die ersten Tage hatten wir es uns leicht gemacht und schon im Vorhinein Übernachtungsplätze angefragt. Das war mal etwas ganz anderes wie heimlich abends das Zelt aufzubauen und mit dem ersten Hahnenschrei wieder abzubauen. Überhaupt wäre ab jetzt Wildcampen schwierig einerseits, weil wir jetzt mit zwei Eseln und zwei Zelten deutlich mehr Platz bräuchten andererseits war hier an jeder Baumgruppe ein Naturschutzschild angebracht und Wald generell Mangelware. Wir bekamen aber nicht nur einen Zeltplatz, sondern meist noch Abendbrot und Frühstück - Wandern Deluxe! Vielen Dank dafür!

Am Freitagabend mussten wir das erste Mal selber für einen Schlafplatz sorgen... aber wir hatten Glück: der erste Bauer den wir ansprachen erlaubte uns auf einer bereits gemähten Wiese hinter der Kirche zu zelten. Wir bauten die Zelte auf und für die zwei Esel eine kleine Weide und lernten unsere "Nachbarn" kennen. Lauter nette Menschen! Abends wollten wir noch die Kneipe im Ort besuchen, aber kurz vorher erlitt unsere Euphorie einen herben Dämpfer! An Timors Rücken zeichneten sich Druckstellen vom Sattel ab. Wir salbten ihn ein und hofften das Beste.

 

 

 

Unser Zeltplatz in Dilkrath

In der Nacht grübelten wir beide weiter über das Problem und waren uns am nächsten Morgen einig, dass wir so nicht weiterkonnten. Timor brauchte Pause! Wir fragten ob wir noch etwas länger bleiben könnten und überlegten hin und her wie es weitergehen sollte. Gegen Mittag war klar: Gina würde sich mit Timor abholen lassen und ich würde alleine weiterziehen. Eine Entscheidung die uns nicht leicht fiel, hatten wir doch gerade erst so richtig zusammengefunden. Unser letzter gemeinsamer Abend klang mit ernsten tiefsinnigen Gesprächen aus. Am nächsten Vormittag wurden Gina und Timor abgeholt... und ich stand plötzlich wieder, versorgt mit frischen Vorräten und guten Wünschen, allein auf der Straße. Die ersten Kilometer fehlte mir Gina sehr. Ich war wieder allein mit meinen Gedanken. Da musste ich mich erst wieder dran gewöhnen. 

Auch vom Wetter her fiel das Wandern schwer... ein Tag war heißer als der nächste. Ab Mittags konnte man kaum noch laufen...

 

Nette-Stausee

Wo Gina mir auch fehlte, war ihre offene Art auf Menschen zuzugehen... heimlich hatte ich gehofft, dass sie nun jeden Abend Leute wegen einer Übernachtungsmöglichkeit ansprechen würde. Da hatte ich einfach Hemmungen... aber mit dem Wildcampen war es hier auf jedem Fall schwieriger. Halb so wenig Wald aber dafür dreimal so viel Leute. Und doch öffnete mir Pino viele Herzen, vielleicht auch Paula, vielleicht wir drei wie wir wild entschlossen und bepackt Richtung Nordsee stapften. So fanden wir dann doch immer wieder Menschen die sich freuten, denen wir für eine Übernachtung im Garten ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnten.

 

 

Pino am Rhein

So folgten wir Stückchen für Stückchen dem E8 bis an den Rhein. Hier erwartete uns die nächste Hürde: Wir mussten bei Wesel über die große Autobrücke und dann mitten durch die Stadt. Das würde starke Nerven brauchen. Den halben Tag folgten wir in brütender Hitze dem Deichradweg, sahen die Schiffe und endlich auch die Brücke. Am nächsten Tag würden wir sie in Angriff nehmen.

 

 

 

 

Die Rheinbrücke bei Wesel

 

 

Esel in Wesel

Die Brücke war lang, der Verkehr auf beiden Seiten zweispurig. Für die Radfahrer und Fußgänger gab es einen mit Leitplanken abgetrennten Weg. Zum Glück waren morgens nur wenig Radfahrer unterwegs, so kamen wir ziemlich entspannt rüber.

Das Maskottchen von Wesel ist seid ein paar Jahren der Esel (Wappentier ist wohl eigentlich das Wiesel). Überall standen bunt bemalte lebensgroße Plastikesel. Sie waren wirklich gut getroffen - selbst Pino ließ sich täuschen und wollte sich kaum von seinem neuen "Freund" trennen. Außerdem gab es an den Ampeln nicht nur Männes'chen und Radfahrer - sondern bei grün auch gallopierende Esel. Man gönnt sich ja sonst nichts.

 

sonnenblumengelber Sandboden

 

Die Landschaft hatte sich erneut gewandelt: bewaldet waren jetzt häufig kleine sandige Erhebungen mit lockerem Birken und Kiefernbestand. Der Sand bis zu den Knöcheln gab schon richtiges Nordsee-Feeling. Versüßt durch die ersten Heidelbeeren.

 

Auch hier gab es immer wieder nette Menschen die mich aufnahmen, mir Wasser anboten oder sonstwie weiterhalfen. Danke - Danke - Danke! Das Wetter hatte sich auch gebessert, hauptsächlich bedeckt aber freundlich. So kamen wir gut gelaunt in Coesfeld bei meiner Freundin an.

 

Die zweite Etappe war geschafft. Das Ruhrgebiet umrundet. Nun würde es nach ein paar Tagen Pause an der Ems entlang weiter Richtung Norden gehen.

 

 

Pino im Kiefernwald

 

 

 

Aufenthalt und Aufbruch bei Mandy

 

 16.7. Angekommen in Weener (Leer)

 

Überall Esel

Am 3. Juli ging es bei hervorragendem Wanderwetter weiter. Die ersten Kilometer auch in sehr netter Begleitung, Mandy und Maya kamen noch ein Stück mit. Dann ging es um Coesfeld herum. Frustrierend, weil man beim Umrunden einer Stadt das Gefühl hat man würde sich nicht vom Platz bewegen... 

Als Mandy und Maya mich am nächsten Tag besuchten (mit leckerem Mittagessen im Gepäck) war ich immer noch im Dunstkreis von Coesfeld, aber immerhin mittlerweile auf der gegenüberliegenden Seite. Ab hier ging es dann endlich auf der Zielgeraden Richtung Emsland.

 

 

 

Hängeseilbrücke bei Steinfurt

Das Münsterland hatte allerdings noch die ein oder andere Überraschung für uns bereit Nicht nur, dass es plötzlich nochmal hügeliger wurde womit ich schon gar nicht mehr gerechnet hatte, zwischen Burgsteinfurt und Borghorst erwartete uns auch diese Hängeseilbrücke. Sie liegt in einem malerischen Naherholungsgebiet und verbindet die Inselchen miteinander. Nicht die Geierlay, aber Hängeseilbrücke ist Hängeseilbrücke. In drei Schwüngen mit wackeligen, schwingenden Brettern ging es auf die andere Seite. Ich hielt innerlich die Luft an - und Pino? Ging drüber als wäre das nun auch nichts besonderes mehr. Toller Esel!

 

 

Regentage verschlafen

Die Landschaft führte uns jetzt wieder durch abwechslungsreiche Landschaften, die reinen Kartoffel-, Mais- und Gemüsefelder wurden immer wieder durch saftiges Grünland und goldene Getreidefelder aufgelockert. Der Regen hatte der Natur ein tiefes Durchatmen erlaubt.

Mir hingegen wurde das Aufstehen morgens schwer... keine Sonne weit und breit. Ein paar Tage vorher hatten wir noch Aprilwetter: Sonne mit plötzlich einsetzenden Regen- oder sogar Hagelschauern. Das war schon zum Haareraufen gewesen. Aber dieses Grau in Grau schlug einem richtig auf's Gemüt. Was nass wurde blieb auch nass und Pause im Niesel ist auch nicht so toll.

 

 

angekommen am Dortmund-Ems-Kanal

Ich war froh für das Münsterland noch eine Wanderkarte zu haben - der Handyakku musste für den Notfall geschont werden.

Und dann stieß ich bei Rheine auf den Dortmund-Ems-Kanal. Das Wetter änderte sich zwar zunächst nicht, aber Hallo war das ein Anblick! Die Karte war zu Ende, der Kanal allerdings nicht wirklich zu verfehlen.

 

 

 

 

Paula am Kanal

Der Umbau zweier Schleusen zwangen uns zu einem Umweg, ärgerlich aber lohnend! Hatte ich mich wegen dem bescheidenen Wetter erst Mittags auf den Weg gemacht, konnte ich schon wenige Kilometer später die Füße hochlegen. Im Trockenen. Frisch geduscht. Der siebte Himmel! Danke!

Am nächsten Tag ging es mit frisch gewaschenen Klamotten, trockenen Schuhen und geladenem Akku weiter. Die Sonne schien. Das Leben ist schön!

 

 

 

Ostersteine    

Eine Kette von Ostersteinen

  Die erste Möwe 

 

 

Ich weiß nicht mehr wo die magische Grenze war an der die Menschen plötzlich "Moin" sagten. Aber die Schiffe und dann auch noch die ersten Möwen: Man spürte plötzlich: das Meer konnte nicht mehr weit sein. Sagte ich jetzt ich, wolle an die Nordsee, nickten alle als wäre es das Normalste der Welt. Erst bei der Frage "wo kommst du denn ganz her?" kamen dann die großen Augen.

 

Nachdenkliches am Wegrand

Das Wetter war weiter wechselhaft. Das Regencape immer wieder im Einsatz. Doch immer wenn es mir gerade wieder langte, (wie heißt es so schön?) kam von irgendwo ein Lichtlein her: Schutzhütten, nette Menschen die mich durch den Regen bis zu ihrem Gartenhäuschen brachten...

 

Und dann die vielen tollen Gespräche am Wegesrand oder bei einer Tasse Kaffee/ Tee. Manchmal ernster als man das bei so flüchtigen Bekanntschaften und Begegnungen erwarten würde. Vieles was zum Nachdenken anregt und was mir auf den nächsten Kilometern noch nachging. Auch dafür ein Danke!

 

 

Schleuse

Eine kleine Episode am Rande: Der Weg am Kanal war immer wieder so schön menschenleer, dass ich Pino frei hinterherlaufen lassen konnte. Das ging so lange gut, bis ich an ein sehr langes gerades Stück kam... Ich ging vor und Pino fing an zu fressen und checkte aus den Augenwinkeln immer wieder ob sie mich noch sah. Der Abstand wuchs und es war zum verrückt werden: Die "unsichtbare Leine" hatte hier ihre klare Grenze erreicht. Pino war nur noch ein Punkt am Horizont, aber eben noch sichtbar und das genügte anscheinend... nach einer unendlich langen Zeit versteckte ich mich hinter Bäumen um eine Biegung des Weges immerhin vorzutäuschen. Ob und wann Pino nachgucken käme, ob ich noch da wäre konnte ich allerdings nicht feststellen. Ein Auto fuhr auf den Deichweg und da musste ich natürlich zurückgehen. Auf dem Weg zurück rief eine Fahradfahrerin von der anderen Kanalseite her, ob das mein Esel wäre. Die Polizei stände schon dabei. Und ja, da rutschte mir das Herz in die Hose... War auch peinlich, denn mir war Pino ja nicht in dem Sinne "abgehauen". Aber die Polizisten hatten zum Glück Humor und gute Laune. Und irgendwo ist es auch ein beruhigendes Gefühl, dass sollte mir etwas passieren, innerhalb von einer halben Stunde die Polizei auf der Suche nach mir ist.

 

 

 

Deichschaf

Auf den letzten Kilometern nach Weener wurde es noch ein wenig mehr "nordseeischer". Der Radweg führte nicht mehr auf dem Deich entlang, sondern dahinter auf der Deichverteidigungsstraße (toller Name!). Und auf dem Deich grasten ganz klassisch die ersten Deichschafe. Jetzt verließ ich den Emsradweg und bekam eine andere Seite Ostfrieslands zu sehen. Grünland flach und eben bis zum Horizont. Der Blick unterbrochen nur von Hecken- und Baumstreifen. Ob es jetzt mit dem Wildcampen ein für alle mal vorbei ist?

 

 

 

Aber erstmal ankommen und durchatmen, hier in Weener. Stolz auf die vergangene Strecke zurückblicken. Und irgendwo sagt eine kleine Stimme in meinem Kopf: "Bis hierher habt ihr es geschafft, den Rest schafft ihr auch noch!"

 

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